Deklaration von veganen Produkten

Status Quo

Das Ziel von PETA-Veg­an und anderen NGOs ist es, eine inter­na­tion­al verbindliche Def­i­n­i­tion von veg­a­nen Pro­duk­ten zu erre­ichen und zukün­ftig auf allen veg­a­nen Pro­duk­ten Labels vorzufind­en, die diese als veg­an ausze­ich­nen.

Als veg­an­er Ver­brauch­er ist es essen­ziell, dass man rechtssich­er erken­nen kann, ob die Pro­duk­te die man erwirbt veg­an und damit tier­lei­d­frei sind oder nicht. Als Beispiel kann ich hier einen Fall nen­nen, der kür­zlich an mich herange­tra­gen wurde. Ein Veg­an­er erwarb eine Couch, bei der es ihm sehr wichtig war dass sie keine tierischen Pro­duk­te, ins­beson­dere keine Fed­ern enthielt, die mit Rupfen von Tieren ver­bun­den waren. Der Verkäufer sicherte ihm mündlich zu, dass dies so sei.

Später stellte sich her­aus, dass die Couch doch Fed­ern enthielt.

Wäre die Couch als veg­an beze­ich­net verkauft wor­den, dann hätte der Kunde leicht beweisen kön­nen, dass er nicht die Couch erhal­ten hat die er bestellt hat. Er hätte dann wählen kön­nen, ob er die Couch zurück­gibt oder auf die Liefer­ung ein­er veg­a­nen Couch beste­ht. Das es aber bis­lang kaum Möbel gibt, die als veg­an beze­ich­net verkauft wer­den, trägt der Kunde die Beweis­last dafür, dass die Eigen­schaft mündlich zugesichert wurde.

Vegan-Labels

Vor diesem Hin­ter­grund ist es daher erstrebenswert, dass zukün­ftig Pro­duk­te verbindlich mit dem Label “Veg­an” verse­hen wer­den.

V-Label der Euro­pean Veg­e­tar­i­an Union (EVU)

Was die Kennze­ich­nung von Pro­duk­ten anbe­langt, so ist zumin­d­est im Hin­blick auf Nahrungsmit­tel für Veg­an­er die Möglichkeit gegeben auf speziell geregelte Pro­duk­te zu acht­en die mit einem der han­del­süblichen Veg­an-Labels (zum Beispiel V-Label vom Veg­e­tarier­bund) verse­hen sind. Bei nicht gekennze­ich­neten Nahrungsmit­tel­waren kann man zumin­d­est auf die Rück­seite des Pro­duk­tes schauen, denn dort sind nach der europäis­chen Aller­gen­richtlin­ie alle poten­tiellen Aller­gene fettge­druckt aus­gewiesen. Dies stellt zumin­d­est eine min­i­male Ori­en­tierung dar.

Dekla­ra­tion der Inhaltsstoffe von Lebens­mit­teln [Bild: Daniel Boehme | CC0]
Dekla­ra­tion der Inhaltsstoffe von Lebens­mit­teln [Bild: Daniel Boehme | CC0]

Nicht aus­gewiesen sind allerd­ings nicht veg­ane Mate­ri­alien, die in der Pro­duk­tions­kette ver­wen­det wur­den.

Ein bekan­ntes Beispiel hier­für ist Frucht­saft. Die meis­ten klaren Saft­sorten wer­den mit Schwei­nege­la­tine gefiltert. Es ist daher für den Ver­brauch­er erforder­lich, dem Pro­dukt anzuse­hen, ob in der Pro­duk­tions­kette der­ar­tige nicht veg­a­nen Pro­duk­te ver­wen­det wur­den, damit man als mündi­ger Ver­brauch­er, der Tier­leid nicht mit­fi­nanzieren möchte, ein Wahlrecht ausüben kann.

Politik

Vor diesem Hin­ter­grund war es erst ein­mal wichtig, geeignete Def­i­n­i­tio­nen der Begrif­flichkeit „Veg­an” zu find­en, die inter­na­tion­al rechtsverbindlich sind. Dies ist mit­tler­weile gelun­gen. Der rechtliche Hin­ter­grund hier­für find­et sich in ein­er EU-Richtlin­ie:

on der Europäis­chen Union eine verbindliche Def­i­n­i­tion von Lebens­mit­teln als veg­an oder veg­e­tarisch. Mit­tler­weile hat sich der fed­er­führende Auss­chuss des Bun­desrates für Fra­gen der europäis­chen Union dieser Ini­tia­tive angeschlossen. Ziel der Ini­tia­tive ist es, sich­er zu stellen, dass Infor­ma­tio­nen über die Eig­nung eines Lebens­mit­tels für Veg­e­tari­er und Veg­an­er bere­it­gestellt wer­den. Auf den Miss­stand, dass aus ethis­chen, gesund­heitlichen oder religiösen Grün­den, veg­e­tarisch oder veg­an lebende Men­schen noch keine Möglichkeit haben, den gewün­scht­en Charak­ter des Lebens­mit­tels unmit­tel­bar zu erken­nen, wurde hingewiesen. Der fed­er­führende Auss­chuss des Bun­desrates hat zudem eine Bitte an die Bun­desregierung gerichtet, zu prüfen, ob bis zur Umset­zung ein­er europäis­chen Regelung eine nationale Regelung geschaf­fen wer­den kann. Die zu erwartende, zukün­ftige Dekla­ra­tion der Nahrungsmit­tel­pro­duk­te wird die Ver­braucher­rechte von Veg­an­ern ger­ade im Hin­blick auf Män­gel­gewährleis­tungsrechte, Schaden­er­satzansprüche und effek­tiv­en Zugang zur gewün­scht­en Ernährung deut­lich stärken.

Diese bedeu­tende Verbesserung ist vor allem dem Engage­ment des VEBU, von Food­watch und Bünd­nis 90, den Grü­nen, zu ver­danken.

Mit­tler­weile liegen aus­gear­beit­ete Def­i­n­i­tio­nen der Begriffe veg­e­tarisch und veg­an vor und die EU-Ver­wal­tung ist gehal­ten, diese in die Prax­is umzuset­zen. In der EU-Ver­wal­tung soll der Grund­satz „big things first“ gel­ten. Dies ist möglicher­weise eine Erk­lärung dafür, warum die aus­for­mulierten Def­i­n­i­tio­nen noch immer nicht umge­set­zt wur­den. Es bleibt zu hof­fen, dass die EU-Ver­wal­tung dieses für Veg­an­er und Veg­e­tari­er wichtige Def­i­n­i­tion­s­ge­bot zeit­nah umset­zt.

Definitionsvorschläge

Definitionen vegan-vegetarisch

(1) Veg­an sind Lebens­mit­tel, die keine Erzeug­nisse tierischen Ursprungs sind und bei denen auf allen Pro­duk­tions- und Ver­ar­beitungsstufen keine — Zutat­en (ein­schließlich Zusatzstoffe, Träger­stoffe, Aromen und Enzyme) oder — Ver­ar­beitung­shil­f­sstoffe oder — Nicht-Lebens­mit­telzusatzstoffe, die auf dieselbe Weise und zu dem­sel­ben Zweck wie Ver­ar­beitung­shil­f­sstoffe ver­wen­det wer­den, die tierischen Ursprungs sind, in ver­ar­beit­eter oder unver­ar­beit­eter Form zuge­set­zt oder ver­wen­det wor­den sind.

(2) Veg­e­tarisch sind Lebens­mit­tel, welche die Anforderun­gen des Absatzes 1 erfüllen, bei deren Pro­duk­tion jedoch abwe­ichend davon 1. Milch, 2. Kolostrum, 3. Far­mge­flügeleier, 4. Bienen­honig, 5. Bienenwachs, 6. Propo­lis oder 7. Wollfett/Lanolin aus von leben­den Schafen gewonnen­er Wolle, oder deren Bestandteile oder daraus gewonnene Erzeug­nisse zuge­set­zt oder ver­wen­det wor­den sein kön­nen.

(3) Ein­er Aus­lobung als veg­an oder veg­e­tarisch ste­hen unbe­ab­sichtigte Ein­träge von Erzeug­nis­sen, die nicht den jew­eili­gen Anforderun­gen des Absatzes 1 oder 2 entsprechen, nicht ent­ge­gen, wenn und soweit diese auf allen Pro­duk­tions-, Ver­ar­beitungs- und Ver­trieb­sstufen trotz geeigneter Vorkehrun­gen bei Ein­hal­tung der guten Her­stel­lung­sprax­is tech­nisch unver­mei­d­bar sind.

(4) Die Absätze 1 bis 3 gel­ten entsprechend, wenn für Lebens­mit­tel Infor­ma­tio­nen ver­wen­det wer­den, die aus Ver­brauch­er­sicht gle­ichbe­deu­tend mit „veg­an“ oder „veg­e­tarisch“ sind.

Bei der Def­i­n­i­tion wurde ein Kom­pro­miss zwis­chen Prak­tik­a­bil­ität und höchst möglichem Stan­dard angestrebt. Begrüßenswert ist, dass bei der veg­a­nen Def­i­n­i­tion Ver­ar­beitung­shil­f­sstoffe berück­sichtigt wur­den. Wird die verbindliche Def­i­n­i­tion für Lebens­mit­tel erst erre­icht sein, ist beab­sichtigt, im näch­sten Schritt eine Aus­dehnung auf Pro­duk­te außer­halb des Lebens­mit­tel­bere­ich­es durchzuset­zen.

Ausblick

Es bleibt zu hof­fen, dass diese Def­i­n­i­tio­nen sich bald europaweit durch­set­zen, damit sie dann weltweit einge­fordert wer­den kön­nen. Für unseren Veg­an­er der seine Couch gekauft hat würde das bedeuten, dass er nicht mehr mit Zeu­gen beweisen muss, dass er eine veg­ane Couch bestellt hat­te. Die Dekla­ra­tion von Pro­duk­ten als veg­an hat aber auch weitre­ichen­dere Fol­gen. Wenn man zum Beispiel als Kon­sument Essen untergeschoben bekommt, dass falsch deklar­i­ert wurde, kann man hier­auf auch weit­ere Rechte stützen, zum Beispiel gegebe­nen­falls Schadenser­satz und Schmerzens­gel­dansprüche.

Als veg­ane Ver­brauch­er kön­nen wir daher ver­suchen, Abge­ord­nete im Bekan­ntenkreis zu motivieren, sich für die Umset­zung der EU-Richtlin­ie einzuset­zen und das vor­beze­ich­nete Wis­sen an möglichst viele andere Ver­brauch­er zu ver­bre­it­en.